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Islamisierter Pseudofeminismus

Islamisierter Pseudofeminismus
-Anmerkungen zu einer Veranstaltung mit Lana Sirri im Rahmen des „Lady*fest“

Nachdem die kasseler Initiative „No one is illegal 2017″ erst im vergangenen Juni zum gemeinsamen Fastenbrechen aufgerufen hatte,[1] ist man nun auch beim queerfeministischen „Lady*fest“ bemüht, die Islamisierung der Linken voranzutreiben.
So findet sich im diesjährigen Veranstaltungsprogramm ein Vortrag von Lana Sirri mit dem paradoxen Titel „Islamische Feminismen“. Im Rahmen der Veranstaltung sollen unter anderem „geschlechter- und sexualitätssensible Interpretationen der heiligen Texte“ diskutiert werden, um der „weiß-deutschen, auch feministischen Öffentlichkeit“ die „starke Skepsis, Missachtung und Unkenntnis“ bezüglich der „Verbindung von Islam und Feminismus“ auszutreiben.[2]
Man darf gespannt sein, wie die Geschlechtersensible Interpretation der Sure 4:34 aussehen wird:

»Die rechtschaffenen Frauen sind gehorsam und sorgsam in der Abwesenheit (ihrer Gatten), wie Allah für sie sorgte. Diejenigen aber, für deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet – warnt sie, verbannt sie aus den Schlafgemächern und schlagt sie.«

Bevor wir erläutern, warum nicht bloß die islamischen Quellen, sondern auch der gelebte Mehrheitsislam genug Anlass zu jener Skepsis geben, die für die Veranstalter offenbar ein Problem darstellt, sei zunächst die Referentin vorgestellt.
Lana Sirri promovierte zu „Islamischem Feminismus“ am „Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien“ der Humboldt-Universität Berlin und ist heute Juniorprofessorin für Gender und Religion an der Universität Maastricht. Trotzdessen sie in Tel Aviv-Jaffa geboren wurde und dort studiert hat, ist sie überzeugte Antizionistin und fühlt sich nach eigener Aussage, während sie sich in Europa in erster Linie als Muslimin verstehe, unter dem „israelischen Regime“ als „Palästinenserin“. Im Jahr 2016 unterzeichnete Sirri einen Boykottaufruf der antisemitischen BDS-Bewegung mit dem Titel „Palästinenser, Afrikaner und die Gegner von Kolonialismus lehnen Apartheid ab“.[3] Das zu verhindernde Verbrechen: Ein geplantes Entwicklungsprojekt in Afrika durch eine Kooperation zwischen der Robert-Bosch-Stiftung und dem Jüdischen Nationalfonds (KKL). Die Robert-Bosch-Stiftung sagte die Zusammenarbeit schließlich ab.[4]
In diesem Jahr erschien Lana Sirris Buch „Einführung in islamische Feminismen“. Das Vorwort dazu durfte passenderweise Kübra Gümüşay verfassen, eine „Netz-Aktivistin“, die sich beispielsweise dadurch auszeichnet, unter dem Label des „Feminismus“ und damit der geschichtlichen Wahrheit des Begriffs zum Hohn, für den Hijab, das Propagandasymbol und Exekutionsmittel der islamischen Geschlechtsapartheit, oder hin und wieder gar für Burka und Niqab zu werben;[5] wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, die Islamfaschisten und Nationalisten der Millî Görüş als unbescholtene und diskriminierte Opfer des Verfassungsschutzes zu stilisieren, [6] bei gleichzeitiger Diskreditierung kritischer Individuen als „Haustürken“, abgeleitet von der Bezeichnung der „Haussklaven“ aus der Sklavenzeit.[7]

»O Prophet, sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Überwurf über sich herunterziehen. Das ist eher geeignet, daß sie erkannt (als freie, ehrbare Frauen) und so nicht belästigt werden.« Sure 33:59

Wie Gümüşay macht auch Sirri keinen Hehl daraus, dass sie keinerlei Interesse daran hat, Frauen die Emanzipation »vom« Islam und den notwendig korrespondierenden Zwangsverhältnissen zu erleichtern. Vielmehr postuliert sie, die Befreiung könne »in« der Religion verortet werden: “Many mainstream feminists don’t believe that women can find liberation in religion.” Sie geht sogar noch weiter und erdreistet sich, offen kundzutun, worum es ihr statt der Emanzipation der Frauen tatsächlich geht – die Ehrenrettung des Islam: „One of FEMEN’s founders actually said that Muslim women don’t know what it’s like to be free and that Islam oppresses women. In this way you’re promoting an Islamophobic discourse.“[8] Wer also die alltägliche Evidenz des Misogynen Islam thematisiert, stellt für Lana Sirri eine Gefahr dar. Ihr Unterfangen besteht darin, die barbarische Realität hinter einem Schleier zu verbergen und durch Kampfbegriffe, wie den der „Islamophobie“, vor Kritik zu wahren. Doch das darf und wird nicht von Erfolg sein.
Zu eindeutig ist die Wirklichkeit, die sich nicht weginterpretieren, sondern vielmehr deutlich werden lässt, weshalb neben den Quellen auch das alltäglich gelebte Geschlechterverhältnis des Islam nicht gerade zu einer Zusammenführung desselben mit emanzipatorischen Kämpfen einlädt.
So bejahten im Zuge einer umfangreichen Studie des PEW Research Center aus dem Jahr 2013 die Frage, ob eine Frau immer ihrem Mann zu gehorchen habe, 65% der türkischen, 96% der malaysischen, 94% der afghanischen und 93% der tunesischen Muslime. In den palästinensischen Gebieten stimmten 87% zu.[9]

»Eure Frauen sind euch ein Saatfeld. So kommt zu eurem Saatfeld, wann und wie ihr wollt.« Sure 2:223

Nirgends dürfte sich jedoch aktuell die Misogynie der islamischen Welt wie auch die Heuchelei der Pseudofeministinnen klarer manifestieren, als im Umgang mit der tatsächlichen Frauenrechtlerin Seyran Ateş. Ateş, die im Deutschland des Jahres 2017 unter ständigem Polizeischutz stehen muss, da sie es gewagt hat, eine liberale Moschee ohne Geschlechtertrennung zu eröffnen, wurde nicht nur von zahlreichen Predigern, sondern auch von zwei einflussreichen Religionsbehörden verurteilt. Sowohl die türkische Religionsbehörde Diyanet, als auch die ägyptische Fatwa-Behörde Dar al-Iftam sprachen angesichts der Moscheeeröffnung von einem „Angriff auf den Islam“, womit Ateş nach islamischem Recht faktisch vogelfrei ist.
Im Gegensatz zu Sirri und Gümüşay trachtet Seyran Ateş nicht danach, den Feminismus zu islamisieren, sondern unterzieht den Islam im Gegenteil einer scharfen Kritik und fordert entschieden universelle Werte ein, die mit zentralen Prinzipien des Islam brechen. Dass sie mit diesem Unterfangen nicht auf die Unterstützung der Pseudofeministinnen zählen kann, hat sie früh festgestellt:
Seyran Ateş: „Ich bin beleidigt, dass die deutschen Feministinnen, die ganzen Gender-Abteilungen, nicht für uns auf die Straße gehen oder hierherkommen und Solidarität bekunden.“
Hamed Abdel-Samad: „Weißt du, wann du von ihnen Solidarität kriegen kannst? Wenn du Burkini trägst und damit schwimmen willst, dann sind sie alle hinter dir.“
Seyran Ateş: „Genau, oder wenn ich Burka tragen will und sage: ‚Das ist die Freiheit unter dem Schleier!‘“[10]
Mit ihrem Kampf steht Ateş in der Tradition der iranischen Frauen, die 1979, kurz nachdem die „Islamische Revolution“ stattgefunden hatte, gegen den Schleier demonstrierten und dabei skandierten: „Freiheit ist nicht östlich und nicht westlich, sondern universell!“.[11] Die basale Erkenntnis hinter der Parole besteht darin, dass es nur eine Menschheit gibt. Eine Erkenntnis, die Ergebnis der Aufklärung ist, die die Menschen zum ersten Mal als Individuen und nicht als Teile fester Kollektive wie Stamm, Sippe oder Kultur, betrachtete. Eine Erkenntnis, hinter die postmoderne Theoretiker wie Lana Sirri heute zurückfallen, wenn sie konstatieren: „Islamic feminists fight against how some Western ‘feminists’ try to impose their own ideas and desires on others.“[12] Denn dieser Kulturrelativimus bedeutet in der Praxis nichts anderes, als die Verweigerung, Frauen in islamischen Ländern die gleichen Rechte zuzugestehen, wie westlichen Frauen, sprich: die Möglichkeit, unverschleiert, selbstbestimmt und wenigstens in einem bürgerlichen Sinne frei zu leben.

»Und sag zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten« Sure 4:31

Die iranischen Mullahs warfen den demonstrierenden Frauen von 1979 „Islamophobie“ vor und verwendeten damit den gleichen Kampfbegriff, [13] den Lana Sirri heute gegen die protestierenden Frauen von Femen, und damit stellvertretend an alle Islamkritiker, richtet. Sie macht damit unmissverständlich klar, in wessen Tradition und auf welcher Seite der Barrikade sie steht.
Die Frauen im Iran haben den Kampf verloren, Seyran Ateş noch nicht. Doch die Feinde der Aufklärung werden weiter daran arbeiten, dass es irgendwann so komme. „Unser Gegner ist der Universalismus des eurozentrischen, weißen, paternalistischen Feminismus.“ sagt Lana Sirri und verrät damit nicht nur Ateş und jene Frauen im Iran, die noch Hoffnung haben, sondern alle Menschen weltweit, die tagtäglich unter dem Islam und seinen Zumutungen zu leiden haben.

Raccoons – Kommunistische Gruppe, August 2017

Quellen:
[1] https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1423327371066915&id=132621850137480
[2] http://ladyfestkassel.tumblr.com/feminismen
[3] http://www.gazamussleben.at/data/gaza/unterzeichner_offener_brief_boschstiftung.pdf
[4] http://www.audiatur-online.ch/2016/03/15/liebe-auf-den-ersten-blick/
[5] http://ein-fremdwoerterbuch.com/2010/10/yeah-burqa-in-frankreich/
[6] http://www.taz.de/!5099569/
[7] http://www.achgut.com/artikel/haustuerken_und_andere_sklaven
[8] https://www.maastrichtuniversity.nl/news/islamic-feminist-maastricht-academia
[9] http://www.pewforum.org/2013/04/30/the-worlds-muslims-religion-politics-society-women-in-society/
[10] http://www.bild.de/politik/inland/youtube/sperrt-islamkritisches-video-weil-hassprediger-protestierte-52878706.bild.html
[11] http://de.stopthebomb.net/text-audio-und-video/texte-aus-der-stb-koalition/fathiyeh-naghibzadeh-zum-8-maerz.html
[12] Siehe 8.
[13] http://www.salzborn.de/txt/2012_islamophobie.pdf