Archiv für März 2017

Junger Mann antisemitisch beleidigt und bedroht

Am 07.03.16 ereignete sich im Bereich des Kasseler Stern ein antisemitischer Vorfall. Der Betroffene, der einen Button mit einem Davidstern auf Regenbogenfahne am Rucksack trug, überquerte gegen 13 Uhr die Kreuzung, als er von einem Mann als „nach Pisse stinkender Jude“ beleidigt wurde. Weiterhin gab dieser kund, dass Juden gemeinsam mit Nazis gegen die Türkei kämpfen würden und pöbelte dem Betroffenen unverständliche, eventuell türkische, Worte, immer wieder gepaart mit „Jude“, entgegen. Als jener zunächst perplex stehen blieb, zog der Mann sein Handy und gab vor, jemanden anzurufen, um schließlich zu drohen, der Leidtragende solle weiter gehen, da er sonst „seine Leute“ holen würde.
Dabei reiht sich der Vorfall perfekt in den durch Erdogan und seine willigen Gefolgsleute geführten Propagandakampf ein. Erst kurz zuvor hatte Erdogan Deutschland „Nazi-Praktiken“ nachgesagt, nachdem Wahlkampfauftritte türkischer AKP-Vertreter in deutschen Städten abgesagt worden waren. Wie bereits nach dem gescheiterten Putscherversuch des letzten Jahres, als sich 500 türkische Nationalisten auf dem kasseler Königsplatz versammelten, um dem islamistisch-nationalistischen Rausch zu verfallen, zeugt auch der jüngste Vorfall davon, dass Erdogan, ohne unbedingt direkt dazu aufrufen zu müssen, in der Lage ist, auch in Deutschland, auch in Kassel, den Mob zu formieren und Einzelne zum Handeln zu bewegen.
Es gilt, diese Entwicklungen und durch Erdogan und die AKP auf den Plan gebrachte Islamfaschisten zu beobachten und ihnen mit Widerstand zu begegnen.
Wie immer möge sich, wer Informationen zu besagtem Vorfall hat, bei uns melden (gerne auch über unser verschlüsseltes Kontaktformular).
Der Täter wird wie folgt beschrieben: Etwa 1,70m groß, dunklerer Teint, ca 40-50 Jahre alt, dünn werdendes, schwarzes Haar, an besagtem Tag trug er eine dunkelgraue Daunenjacke und hellblaue Jeans.

Schiitische Sticker in Kassel

Seit dem 24.02. fanden sich an mehreren Orten in Kassel Aufkleber mit islamischer Symbolik, wobei uns bisher die Stadtteile Wesertor, Wilhelmshöhe, Bettenhausen, Stadt Mitte und Nord (unter anderem auf dem Campus der Universität) bekannt sind.
Die arabischen Worte in grüner Schrift bedeuten etwa „Islamische Einheit“, was auch als Ummah – die religiöse Gemeinschaft aller Muslime – übersetzt werden kann. Im Zentrum steht das islamische Glaubensbekenntnis „Schahāda“ : „Es gibt nur einen Gott, Allah und Mohammed ist sein Prophet.“ Unten ist das Zweiklingen-Schwert „Zulfiqar“ abgebildet. Bei den Schiiten und Aleviten ist das Schwert ein populäres Symbol des Widerstandes und der Identifikation mit der Schia, der zweitgrößten Konfession des Islam, wobei angesichts der sonstigen Symbolik ein alevitischer Hintergrund in diesem Fall unwahrscheinlich ist.
In der Innenstadt wurde derweil ein frisches Graffiti mit ähnlich anmutendem Inhalt gesichtet, das auffordert: „Vereint euch, ihr Diener Allahs!“
Ob dieses mit den Aufklebern zusammenhängt, sich hinter den Aktionen eine funktionierende Struktur verbirgt und wie die Verursacher die „Islamische Einheit“ verstehen, ist noch unklar. Dennoch ist Aufmerksamkeit geboten, wenn in Kassel auf derart offensive Weise islamische Propaganda verbreitet wird, auch vor dem Hintergrund, dass die Verwendung moderner Medien gut in ein islamistisches Konzept passt. So wurden bereits vor knapp zwei Jahren immer wieder ISIS-Sticker, vor allem in der Nordstadt, verklebt, auch damals tauchten zusätzlich ISIS-Sprühereien auf. Dass ein direkter Zusammenhang zum aktuellen Fall besteht, ist jedoch unwahrscheinlich, da ISIS sunnitisch verortet ist.

Wir sind für jeden Hinweis dankbar, sowohl bezüglich genauer Fundorte der Aufkleber, als auch für weitere inhaltliche Erklärungen. Informationen lässt man uns bestenfalls über unser verschlüsseltes Kontaktformular zukommen.