Archiv für Juli 2014

Kasseler Zustände: Antizionistische Demonstration erhält Unterstützung von “links”

Am Nachmittag des 15. Juli versammelten sich am Stern deutlich über tausend Menschen, um unter dem Motto „Frieden in Palästina“ durch die Kasseler Innenstadt zum Rathaus zu ziehen. Die Demonstration wurde von keiner Gruppe, sondern von mehreren Einzelpersonen organisiert und hauptsächlich über das Internet beworben. Bereits am Auftaktort machte sich eine aggressive Grundstimmung breit, einige Jugendliche sprachen davon, später noch „Juden zu verprügeln“. Als der Demonstrationszug in schnellem Tempo loszog, wurden die üblichen Parolen wie „Kindermörder Israel“ oder „Allahu akbar“ gerufen und Transparente sowie Schilder mit geschichtsrevisionistischen und antisemitischen Holocaustvergleichen gezeigt.

Obwohl die Veranstaltenden, sowohl im Vorfeld, als auch während der Demonstration ständig an die Teilnehmenden appellierten, sich nicht antisemitisch zu äußern, oder provozieren zu lassen, zeigte sich der Hass auf Juden und den Staat Israel nicht nur in Form der mitgebrachten Schilder, sondern auch durch die mitgeführten Fahnen. So wurden nicht nur Palästina-Fahnen und durchgestrichene Flaggen des Staates Israel, sondern auch eine Flagge der Hamas gezeigt. Außerdem wurde eine übergroße, abgewandelte Fahne der Franco-Faschisten geschwenkt, auf ihr war zu lesen:“patriotismo asta la muerte“ – Patriotismus bis zum Tod. Auch Symbole der islamistischen Organisation Isis waren auf Kopfbändern zu sehen.

Als der antizionistische Demonstrationszug auf dem Weg zum Rathaus die Treppenstraße erreichte, schien allein der Anblick der israelsolidarischen Gegenkundgebung unter dem Motto „Gegen Antisemitismus und Israelhass auf Kassels Straßen“ Grund genug, um die Aggression vollends ausbrechen zu lassen. Kleine Gegenstände wie Feuerzeuge flogen auf die Gegenkundgebung, die Teilnehmer*Innen der “Friedensdemo“ versuchten die israelsolidarische Kundgebung anzugreifen und mussten sowohl durch ihre eigenen Ordner*innen, als auch durch eine BFE-Einheit zurückgehalten werden. Die Kundgebungsteilnehmer*innen wurden antisemitisch und sexistisch beleidigt, ebenso wurden mehrfach Todesdrohungen ausgesprochen. Im Nachgang der Demo wurden auf der Veranstaltungsseite auf Facebook Bilder von Teilnehmenden der Kundgebung gepostet und ihnen körperliche Gewalt angedroht.

Besonders erwähnenswert ist die Unterstützung der israelfeindlichen Demonstration durch Personen aus dem Organisationskreis der in Kassel wöchentlich stattfindenden Montagsmahnwache, sowie aus Teilen des antiimperialistischen Spektrums um die Organisationen Revolution, Arbeitermacht, SDAJ und MLPD. Nicht nur die Aluhut-Fraktion mobilisierte bereits im Vorfeld, gemeinsam mit den antiimperialistischen Kleinstgruppen stellten sie einen Teil der Ordner*innen Struktur der Demonstration. Dabei gaben gerade diese Gruppen um Revolution und Co. noch zu Beginn der Montagsmahnwachen an, sich gegen Faschismus, Antisemitismus und Verschwörungstheorien auszusprechen – offenkundig ein reines Lippenbekenntnis. Der Schulterschluss zwischen antisemitischen Verschwörungstheoretiker*innen und den Kasseler Steinzeitkommunist*Innen scheint sich vollzogen zu haben. So hält ein Ordner der MLPD im hektischen Gemenge vor der israelsolidarischen Kundgebung einen Lautsprecher in die Luft, es ertönt „Allahu akbar“. Auf der Abschlusskundgebung predigt der selbe Ordner auf den Treppen vor dem Kasseler Rathaus: „Der aktive Widerstand, egal ob friedlich oder bewaffnet, ist gerechtfertigt“. Noch offensichtlicher kann man seine Sympathie mit den Angriffen der Hamas wohl kaum kundgeben. Des Weiteren fotografierte ein Mitglied von Revolution die Kundgebungsteilnehmer*innen ab, wenig später wurden sie auf der Facebookseite der Gruppe veröffentlicht. Die ohnehin in der Bedeutungslosigkeit verschwindenden Gruppen um Revolution, SDAJ und Co. scheinen also wiedermal ihren politischen Fokus auf die Unterstützung antisemitischer Demonstrationen und praktische Anti-Antifa Arbeit gelegt zu haben – chapeau!

Wir als antifaschistische Gruppen TASK und ak:raccoons verurteilen das Verhalten der vermeintlich linken Gruppierungen aufs schärfste. So sehr es als eine Basisbanalität erscheint, dass das antifaschistische Engagement gegen Antisemitismus und religiösen Fundamentalismus auch eine Anerkennung des Staates Israel und der damit verbundenen Schutzfunktion beinhaltet, zeigen solche Vorkommnisse, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Antisemitismus weiterhin eingefordert werden muss.

Die Demonstration wird am Freitag den 18.Juli in umgedrehter Richtung wiederholt. Damit befindet sich der Abschlussort am Stern nur wenige Meter von der Synagoge entfernt. Es ist eine unzumutbare Situation, dass die jüdische Gemeinde es in Erwägung ziehen muss, ihr gemeinsames Gebet aufgrund der bedrohlichen Lage abzusagen.

Der antizionistischen Querfront entgegentreten!

Solidarität mit den Betroffenen antisemitischer Gewalt!

Ein erster Bericht der Veranstalter*innen findet sich unter: http://bgakasselblog.wordpress.com/2014/07/15/hate-parade-in-kassel-und-ein-kleines-bundnis-was-dagegen-halt/

Weiterhin: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/19730]

Kundgebung gegen Antisemitismus und Israelhass auf Kassels Straßen

Anlässlich der aktuellen israelischen Militärintervention im Gazastreifen, welche Reaktion auf die Entführung und Tötung dreier israelischer Jugendlicher sowie den anhaltenden Raketenbeschuss durch die Hamas ist, kommt es im gesamten Bundesgebiet erneut zu antizionistischen und antisemitischen Aufmärschen. Der gemeinsame Hass auf Israel eint dabei mitunter Neonazis, Linke und Islamisten, wie zum Beispiel in Frankfurt am Main zu beobachten war. Nun ist ein solcher Aufmarsch auch in Kassel geplant, dass es dort zu ähnlich regressiven Ausfällen kommen wird, bleibt leider nicht unwahrscheinlich. Wir dokumtieren hiermit den Aufruf des Bündnis gegen Antisemitismus Kassels zu einer Gegenkundgebung, welchen wir unterstützen:

Unter dem Motto „Frieden in Palästina“ ruft eine bislang unbekannte Gruppe für den 15. Juli 2014 zu einer Demonstration durch die Kasseler Innenstadt auf. Wer sich die Facebook- Seite der Veranstaltung anschaut, bemerkt schnell: Hier geht es vielen nicht um Frieden, sondern um die Zerstörung Israels. Einige der bislang rund 1.200 angekündigten Teilnehmer äußern sich offen antisemitisch. Zudem wird der demokratische Staat Israel immer wieder mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt, was von den Veranstaltern toleriert wird.

Die Veranstalter behaupten, Israel massakriere die Palästinenser, verhalte sich „unmenschlich“ und begehe einen „Genozid“. Diese Wortwahl bei gleichzeitiger Ausblendung der terroristischen Angriffe der Hamas auf die israelische Zivilbevölkerung ist nicht nur in jeder Hinsicht unangemessen – sie dient auch der Dehumanisierung der gesamten israelischen Bevölkerung. Mit „Frieden“ hast das nichts zu tun, es ist im Gegenteil die Unterstützung des Terrorkrieges des Hamas, unter dem Israelis und Palästinenser im Ergebnis gleichermaßen leiden. Eine solche Demonstration auf den Straßen Kassels kann nicht unwidersprochen bleiben.

Wir befürchten, dass es am 15. Juli 2014 – wie bereits im Jahr 2009 – zu massiven antiisraelischen und antisemitischen Äußerungen kommen wird. Jüdische Bürger oder als Juden betrachtete müssen an diesem Tag in der Kasseler Innenstadt Beschimpfungen, Provokationen und körperliche Angriffe durch Teile der Demonstranten befürchten. Das darf nicht geduldet werden. Wir fordern alle demokratischen Kräfte in Kassel auf, genau hinzusehen, wenn unversöhnlicher Israelhass und Antisemitismus durch unsere Straßen getragen werden – und dazu auch Position zu beziehen. Wir haben zum Zweck der Versammlung der demokratischen Kräfte eine Kundgebung angemeldet, zu der wir herzlich einladen. Diese Kundgebung vertritt folgende Ziele:

Gegen Antisemitismus und Israelhass auf Kassels Straßen
Keine Propaganda für Terrororganisationen
Solidarität mit den von Übergriffen bedrohten Menschen
Solidarität mit der einzigen Demokratie im Nahen Osten: Israel
Solidarität mit den Bewohnern Kassles Partnerstadt Ramat Gan, die derzeit von palästinensischen Raketenangriffen bedroht werden

Von der Polizei erwarten wir, dass sie sich unmissverständlich allen Bestrebungen entgegenstellt die die Kasseler Synagoge und andere Einrichtungen jüdischer Bürger Kassels zur Zielscheibe zu machen.

Unsere Kundgebung wird am Dienstag ab 15.30 Uhr an der Treppenstrasse/Ecke Obere Königstraße (zwischen Sportarena und Nordsee) stattfinden.

Tanzen bis das AZ kommt! pt.2

Heute um 19 Uhr beginnt „Tanzen bis das AZ kommt! pt2″ mit einem Sommerfest vorm K19 (Moritzstraße 19), Musik und Party gibts ab 23 Uhr.
Kommt vorbei und bringt eure Freund_innen mit!

„Wir wollen selbstorganisierte Räume in Kassel schaffen.
Räume in denen für emanzipatorische Politik, Kunst und Kultur Platz ist; ein unkommerziellen Ort für Gruppentreffen, Konzerte, Parties, Kneipen, Essen, Werkstätten, Infoveranstaltungen, Umsonstladen, Kino, Ausstellungen und und und…

Das Autonome Zentrum soll dabei produktive Rahmenbedingungen schaffen, damit Menschen selbst aktiv werden und kreative Projekte verwirklichen können, sich nicht organisieren lassen, sondern genau dies einfach selbst zu tun. Es braucht Experimentierfelder, um Freiraum zu schaffen, in dem kritische Perspektiven auf gesellschaftliches Leben entworfen, debattiert und ausprobiert werden können.
Um das Alles zu ermöglichen kommt zu unserem Sommerfest. Gemeinsam wollen wir Tanzen, Feiern, Spaß haben mit Musik draußen und drinnen, Siebdruck und lecker Essen. Der gesamte Erlöß trägt zu der Entstehung des neuen AZ bei.

Für Linksradikale Autonome Zentren überall!
Demnächst auch in deiner Stadt!“

Gemeinsame Anreise zur Demo „Allez, les enfants! Gegen Nation und Mythos“ in Frankfurt am Main

Am kommenden Samstag findet in Frankfurt am Main die Demonstration „Allez, les enfants! Gegen Nation und Mythos“ statt, welche wir unterstützen. Treffpunkt ist der Campus Bockenheim FFM | 05.07.2014 | 14:00 Uhr.

Aus Kassel wird es dazu eine gemeinsame Anreise mit dem Zug geben. Wir treffen uns kommenden Samstag um 10:00 Uhr am Vordereingang des Hauptbahnhofes und fahren dann um 10:23 Uhr mit dem RE von Gleis 7. Kommt bitte pünktlich, damit noch das gemeinsame Organisieren von Hessentickets von statten gehen kann. Wir sehen uns!

Weitere Infos zur Demo sowie Hintergrundmaterialien findet ihr unter attends.noblogs.org